Trinkwasserrohre kombinieren: Dos and Don’ts

In älteren Gebäuden kommt es häufig vor, dass in der Rohrinstallation verschiedene Metalle kombiniert werden, wie Kupfer und verzinktes Stahlrohr. Fachleute sprechen hierbei von einer Mischinstallation aus edlen und unedlen Metallen. 

Hier gilt es, besonders aufmerksam zu sein, denn wenn die sogenannte „Fließregel“, insbesondere bei Trinkwasserinstallation missachtet wird, können unerwünschte elektrochemische Prozesse entstehen. Diese führen im schlimmsten Fall zur Lochkorrosion, auch als Lochfraß bekannt.

In diesem Beitrag erklären wir Ihnen einfach und verständlich, worauf Sie bei der Installation achten sollten, um solche Probleme zu vermeiden. So können Sie Ihr Projekt „Trinkwasserrohre verlegen“ erfolgreich umsetzen, ohne böse Überraschungen zu erleben.

TL;DR – Das Wichtigste in Kürze:

  • In älteren Gebäuden werden häufig Mischinstallationen mit verschiedenen Metallen verwendet.
  • Diese Kombination kann zu Korrosionsproblemen führen, wenn die sogenannten „Fließregel“ missachtet wird
  • Die Fließregel gemäß DIN 1988, Teil 7 besagt, dass in Fließrichtung von unedlen zu edlen Metallen verlegt werden sollte.

Was sind edle und unedle Metalle?

In Bezug auf Trinkwasserleitungen sind edle und unedle Metalle Begriffe, die sich auf die Korrosionsbeständigkeit und das elektrochemische Verhalten der Metalle beziehen.

  • Edle Metalle: Diese Metalle sind korrosionsbeständiger und neigen weniger dazu, mit anderen Stoffen zu reagieren. Sie sind oft teurer und werden aufgrund ihrer Langlebigkeit und Beständigkeit geschätzt. In der Trinkwasserinstallation wird Kupfer häufig verwendet, das als relativ edel gilt. Kupferleitungen sind weit verbreitet, da sie langlebig sind und eine gute Korrosionsbeständigkeit aufweisen.
  • Unedle Metalle: Diese Metalle neigen dazu, leichter zu korrodieren und mit anderen Stoffen zu reagieren. Ein Beispiel für ein unedles Metall, das in der Vergangenheit häufig für Wasserleitungen verwendet wurde, ist Eisen bzw. Stahl (z.B. verzinkter Stahl). Diese Materialien können im Laufe der Zeit rosten und Korrosionsprobleme verursachen, insbesondere wenn sie in Verbindung mit anderen Materialien verwendet werden.

Welche Materialien und Metalle sich für Trinkwasserrohre sehr gut eignen und welche der heutigen gängigen Praxis entsprechen, lesen Sie im Beitrag: Das richtige Rohr für Trinkwasserleitungen .

Trinkwasserrohre aus unterschiedlichen Metallen mischen: Vorsicht ist geboten

Oftmals werden alte verzinkte Stahlrohre ersetzt, wenn sie korrodieren oder undicht werden. Anstatt das gesamte Rohrsystem auszutauschen, was kostspielig und aufwendig sein kann, werden oft nur die beschädigten Abschnitte z.B. durch Kupferrohre ersetzt. 

Beim Mischen von alten verzinkten Stahlrohren mit Kupferrohren in einer Sanitärinstallation gibt es einige wichtige Punkte zu beachten, um Probleme wie Korrosion und Leckagen zu vermeiden.

Anzeichen für Lochkorrosion können trübes oder bräunliches Wasser sowie Verkalkungen der Rohre aufgrund rauer Innenflächen sein. Wenn Lochkorrosion nicht rechtzeitig erkannt wird, können teure Wasserschäden durch undichte Stellen auftreten.

Die sogenannte „Fließregel“ nach DIN 1988, Teil 7 muss daher unbedingt eingehalten werden. 
Was diese besagt, gehen wir im nächsten Abschnitt ein.

Fließregel

Die Fließregel sagt ganz klar, dass – in Fließrichtung gesehen – von unedlen zu edlen Werkstoffen vorzugehen ist. 

In Trinkwasserinstallationen, bei denen verschiedene Metalle verwendet werden, muss man darauf achten, dass das unedelere Metall vor dem edleren Metall eingebaut wird.

Das bedeutet in der Praxis, dass zuerst verzinkte Materialien wie Stahlrohre oder Stahlbehälter eingebaut werden sollten, bevor Kupferrohre oder Armaturen aus Kupferlegierungen wie Messing oder Rotguss verwendet werden.

Verzinktes Stahl darf also nur vor Kupfer eingebaut werden. 

Man kann zum Beispiel im Bad Kupferrohre benutzen, während die Wasserleitungen im Keller aus verzinktem Stahlrohr bestehen. Aber Achtung: Verzinktes Stahlrohr darf nicht für Warmwasserleitungen verwendet werden.

Außerdem sollte man vermeiden, Wasser aus Kupferleitungen oder Geräten mit kupferhaltigen Teilen zurück in verzinkte Leitungen fließen zu lassen. Dafür kann man einen Rückflussverhinderer einbauen.

Fließregel in der Praxis: So geht man richtig vor

Heizungsinstallation

Mischinstallation Heizung

In geschlossenen Heizungsanlagen ist die Kombination verschiedener metallischer Werkstoffe nahezu problemlos möglich, da es im Gegensatz zu Trinkwasserrohren, kaum oder nahezu keinen Kontakt zu Sauerstoff gibt.

Typische Materialien für Heizungsrohre sind Kupfer, C-Stahl oder das Alu-Verbundrohr. Alte Schwarzrohre werden im Zuge von Modernisierungsarbeiten heutzutage ersetzt, da sie nicht mehr der gängigen Praxis entsprechen. 

Laut der VDI 2035, die sich mit der Vermeidung von Schäden in Warmwasser-Heizungsanlagen beschäftigt, können beispielsweise Kupfer und Stahl ohne Einschränkungen gemeinsam verwendet werden. Diese bewährte Praxis stellt sicher, dass die Anlagen effizient und zuverlässig arbeiten.
Eine spezielle Wasseraufbereitung ist in der Regel nicht notwendig, könnte jedoch in bestimmten Fällen aufgrund besonderer Bedingungen sinnvoll sein, um beispielsweise die Verkalkung wichtiger Heizungsanlage-Komponenten wie die Hocheffizienz-Umwälzpumpe oder der Wärmetauscher zu verhindern.

Durch die Beachtung dieser anerkannten technischen Regeln wird nicht nur die Langlebigkeit der Heizungsanlage gewährleistet, sondern auch ein reibungsloser Betrieb sichergestellt.
Weitere Infos hierzu lesen Sie im Beitag: Heizung für den Winter vorbereiten – Tipps von Profis.

Trinkwasserinstallation

Mischinstallation Trinkwasserrohre

Die Verwendung verschiedener Materialien in einem Trinkwasserleitungssystem entspricht den anerkannten technischen Regeln gemäß DIN 1988-200. Materialien wie Kupfer, innenverzinntes Kupfer, Kupferlegierungen und Edelstahl lassen sich miteinander kombinieren. 

Beim Einsatz von verzinkten Stahlkomponenten sollte jedoch besonderes Augenmerk auf mögliche Reaktionen gelegt werden. Kupferrohre können geringe Mengen Kupferionen freisetzen. Diese Ionen könnten in nachfolgenden Leitungen aus verzinktem Stahl zu „kupferinduziertem Lochfraß“ führen. 

Daher ist es wichtig, gerade bei Trinkwasserinstallationen die Fließregel zu beachten. 

Rohre aus Edelstahl und Kupfer mischen

Rohre aus Edelstahl und Kupfer können zusammen kombiniert werden, zum Beispiel in der Reihenfolge

Kupferrohr –> Edelstahlrohr –> Kupferrohr.


Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass eine direkte Verpressung von Kupfer und Edelstahl nicht den Anforderungen der DVGW-Zulassung entspricht.
Daher sollte man einen Systemübergang schaffen, indem man Gewindeübergängen im entsprechenden Rohrmaterial verwendet. Alternativ kann auch das systemzugelassene Buntmetall wie Kupfer, Messing oder Rotguss eingesetzt werden.

Auf der sicheren Seite: Alu-Verbundrohr als Trinkwasserleitung

Alu-Verbundrohre lassen sich in der Regel mit allen metallischen Trinkwasserleitungen mischen, unabhängig von der Fließrichtung. Sie vereinen die Vorteile von Metall und Kunststoff und bieten somit zahlreiche Vorteile, die sie zu einer hervorragenden Wahl für die Trinkwasserinstallation machen.
Durch die SKZ- und DVGW-Zulassung können Alu-Mehrschicht-Verbundrohe mit den dazu passenden Fittings für Trinkwasserleitungen verwendet werden.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die Korrosionsbeständigkeit. Im Gegensatz zu herkömmlichen Metallrohren sind Alu-Verbundrohre von einer schützenden Kunststoffschicht umgeben, die sie vor Rost und anderen schädlichen Einflüssen schützt. Dies sorgt nicht nur für eine längere Lebensdauer, sondern auch für eine zuverlässige Trinkwasserqualität.

Zudem zeichnen sich diese Mehrschichtverbundrohre durch ihre hohe Flexibilität aus – sie sind einfach zu verarbeiten, was die Installation erheblich erleichtert und die Arbeitszeiten reduziert. Verbunden werden die Verbundrohre einfach mit Pressfittings, Steckfittings oder Schraubfittings

Die thermische Isolation ist ein weiterer Pluspunkt. Alu-Verbundrohre minimieren Wärmeverluste und tragen somit zu einer effizienteren Energienutzung bei. Dies ist besonders vorteilhaft in Heizungs- und Warmwasseranwendungen.

Zusammengefasst sind Alu-Verbundrohre eine effiziente, haltbare und wirtschaftliche Lösung für die Kombination von Trinkwasserrohren.



Fazit

In älteren Gebäuden sind Mischinstallationen mit verschiedenen Metallen wie Kupfer und verzinktem Stahl häufig anzutreffen, was potenzielle Korrosionsprobleme mit sich bringen kann. Um unerwünschte elektrochemische Reaktionen und Lochkorrosion zu vermeiden, ist es entscheidend, die „Fließregel“ gemäß DIN 1988, Teil 7 zu beachten. Diese Regel besagt, dass in Fließrichtung immer von unedlen zu edlen Metallen verlegt werden sollte. Durch die Beachtung dieser Vorgaben kann die Langlebigkeit der Wasserleitungen gewährleistet und die Wasserqualität gesichert werden.


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